Miles, Devin

Es gibt 4 Artikel.
Devin Miles Marina Zollmann Kunstraum JenaGaleristin Marina Zollmann mit Devin Miles

 Devin Miles- Jahrgang 1961, hat sein Atelier nahe Hamburg, von Hause aus Grafiker und Maler. Seit etwa acht Jahren hat er sein künstlerisches Handwerkszeug um die Siebdrucktechnik erweitert und das war der entscheidende Punkt, der seiner Kunst zum Durchbruch verhalf.

Was wir hier vo...

Devin Miles Marina Zollmann Kunstraum JenaGaleristin Marina Zollmann mit Devin Miles

 Devin Miles- Jahrgang 1961, hat sein Atelier nahe Hamburg, von Hause aus Grafiker und Maler. Seit etwa acht Jahren hat er sein künstlerisches Handwerkszeug um die Siebdrucktechnik erweitert und das war der entscheidende Punkt, der seiner Kunst zum Durchbruch verhalf.

Was wir hier vor uns sehen, sind die derzeit typischen Devin-Miles-Arbeiten aus gebürsteten Aluminiumplatten, aufgedruckten Fotografien und deren Übermalungen. Gedruckt wird mehrfach übereinander mit verschiedenen Sieben, bis zu 15 Arbeitsgänge pro Arbeit - die Bilder von Devin Miles werden von Jahr zu Jahr vielschichtiger. Vielschichtiger im ganz wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Und damit kämen wir auch schon zu den Interpretationsansätzen für diese Werke.

Was den Blick länger fesselt, sind die bekannten Gesichter: Steve McQueen, Brigitte Bardot, James Dean, Audrey Hepburn, immer wieder Romy Schneider, witziger Weise auch die Freiheitsstatue und nicht zuletzt Marilyn Monroe, die Andy Warhol in seiner PopArt-Kunst ja ebenfalls verschiedentlich vervielfältigt hat - Sie kennen dieses berühmte serielle Bild, das Monroes Gesicht in immer andere Farben taucht.

Was in der Werbung als beliebte Strategie seit langem existiert: Die Aufwertung eines Produktes durch die Person, die es bewirbt, wird in Devin Miles Bildern reflektiert: Hier wirkt das Konsumprodukt plötzlich auf die Person zurück. Eine Schauspielerpersönlichkeit und ein hochwertiges Konsumprodukt werten sich gegenseitig auf, indem sie hier gemeinsam abgebildet werden: Romy Schneider oder Brigitte Bardot und der Parfümflacon von Chanel No 5, Audrey Hepburn und das Logo von Louis Vuitton. James Dean oder Steve McQueen und der Porsche 911, Romy Schneider und der Mercedes. Marylin Monroe mit dem Schriftzug von Cartier, dazu ein Zitat aus ihrem mindestens ebenso traurigen wie witzigen Schlager "Diamonds are a girls best friend". Zu den textlichen Teilen der Werke von Devin Miles kommen wir gleich noch ausführlicher zurück. Bleiben wir zunächst bei den Produkt-Schriftzügen. Durch die gemeinsame Abbildung bestätigen sich Konsumprodukt und mediales Produkt, daß sie in derselben ersten Liga spielen.

Die Kombination der Fotografien von Stars und biographischen Äußerungen verleiht den Werken von Devin Miles eine zeitliche Dimension, die Möglichkeit einer psychologischen Tiefe, einer Erinnerungstiefe. Sie bieten Ansätze zur - in den 90er Jahren hätte man gesagt: Dekonstruktion der abgebildeten Personen, also zu ihrer Zerlegung und vollständigeren Wiederzusammensetzung, zum tieferen Verständnis.

Zum tieferen Verständnis der abgebildeten Menschen, die sich eben nicht in der strahlenden Oberfläche erschöpfen, deren Abbildung uns so wichtig und reizvoll ist. Die Schauspielerinnen und Schauspieler werden in der Tat als Geschöpfe unserer Medien greifbar, in denen sie zur Selbstvergewisserung unserer Gesellschaft dienen. Die Festlegung eines Schönheitsideals etwa ist in jeder Gesellschaft ein ganz zentraler Punkt. Früher haben diese Aufgabe die Mariendarstellungen übernommen [einer solchen hat sich Devin Miles in einem überdimensionalen Ourdoor-Adventskalender im vergangenen Advent übrigens auch schon einmal zugewandt]. Zur Zeit, da sich niemand für Marienstatuen interessiert, fällt diese Aufgabe den Schauspielerinnen und Models zu, die das vorgeschriebene Ideal dann allerdings - anders als eine Statue - tatsächlich zu leben haben.

Devin Miles also ein "Keeper of Tradition", zweifellos, doch weit mehr als das. "Unerwartete Bild-Text-Kombinationen lassen jedes Werk eine eigene Geschichte erzählen", sagt der Künstler selber über seine Werke. In der Tat: In der Auswahl der Bilder und Zitate bewahrt Devin Miles seine künstlerischen Gegenstände nicht nur für das Kollektive Gedächtnis auf, er interpretiert sie auch. Zum "Keeper of Tradition" kommt der "Interpreter of Tradition" hinzu.

Was natürlich nicht heißt, daß man sich nicht einfach auch nur an den schönen Gesichtern und Automobilen erfreuen kann. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend!

Dr. Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Weniger
Mehr
Zeige 1 - 4 von 4 Werken
Akzeptieren

Diese Seite verwendet Cookies